Neulich bei der Geburtstagsparty im Escape

Live On Stage:Flammensturm, Keller, Decious
Location:Escape Metalcorner, Wien
Datum:28.4. 2012
Verfasser:Aamon

Metalfanatics-Kurzbewertung:

Bands: 9,5/10
Sound: 9/10
Location: 9/10
Stimmung: 9/10
Besucherzahl: 80 (geschätzt)

online seit:
2012-05-04

„91 Years Of Destruction“ war das beschwingte Konzert-Motto eines Geburtstagsabends, zu dem 4 Geburtstagskinder von Tulsadoom und Selbstentleibung eingeladen haben. 91/4 entspricht 22,75 Jahre, also konnte man eine dynamisch-agile Metal-Party erwarten und bekam diese auch, war dann aber zusätzlich positiv erstaunt, wie Old School Rick Thunder und Kollegen nach dem Konzert das DJ-Pult bedient haben.

Zuerst mal zu den Gigs:

Decious aus Vorarlberg kam nicht aus zufälligen Gründen nach Wien, sondern Tulsadoom haben sich hier alte Kumpels zur Party geladen, die aber auch aus musikalischen Gründen mitfeiern durften:

Lupenreiner Trio-Death Metal mit Wechsel-Vocals, immer arschknapp dran am Brutal/Grind, dennoch mit einer dominanten Direkt-Old School-Schlagseite plus technischem Anspruch.

Die sehr junge Truppe zeigt ein gutes Gefühl für stimmige Songstrukturen. Niemals gibt’s sinnlosen Technik-Schnick-Schnack, alle Riffs und Breaks besitzen musikalische Logik. Ein Mitgrund, weshalb das alles so brutal auf die Fresse kam, war sicherlich ihr großartiger Drummer, der das nötige Killer-Fill-Gen zu besitzen scheint und effektiv auf Uhrwerk-Augenhöhe trommelt.

Womöglich hat der eine oder andere den Bassisten schon mal gesehen: Auf irgendeinem österreichischen Festival der letzten Jahre ist er sicher dem einen oder anderen aufgrund der obercoolen Drehlockerl aufgefallen. Ja, hier spielt er also mit und das sogar sehr gut!

Auch Keller aus Slowenien sind den Geburtstagskindern schon mal live über den Weg gelaufen und mussten aufgrund großartiger Shows hier mitmachen:

Das hat sich auch ausgezahlt, die zu holen, denn so saucoolen Thrash Metal hört man nicht oft. Unglaublich, was die Band da musikalisch abgezogen hat. Extrem schneller, technisch hochwertiger Thrash Metal, der internationale Klasse besitzt, aber das Augenmerk auf Killer-Riffs setzt und ohne übertriebenen Firlefanz auskommt. Wer aufgrund des Konzert-Mottos wehmütig an Destruction gedacht hat, hat hier die legendären Thrasher schnell vergessen. Keller muss man sich definitiv merken, zumal sie besser sind, als so manche der momentan auf den Markt stürmenden New-Thrash-Bands.
Auch show-technisch war alles bestens, keine Ahnung, welche Adrenalin-Bomben die Jungs da geschluckt haben.

Am Ende gaben Flammensturm wieder mal ein Wien-Konzert und auch das hat Gründe. Gitarrist Ragnar ist ja auch bei Selbstentleibung als Gitarrist mit dabei. Diesmal hatte er eine Zusatz-Aufgabe als Lead-Vocalist zu bewältigen und er hat den Job wirklich gut gemacht: Äußerst ausdrucksstark und mit einer nicht zu kreischigen Stimme kamen die Songs wirklich gut. Auch wenn anfangs das bedeutungsschwangere, Sprech-Intro wegen eines technischen Defekts an der Gitarre ins Leere ging, kam so richtig Stimmung auf: Bei der Band, die wohl zusätzlich angepisst war und auch beim Publikum, welches diese wirklich großartigen Black Metal-Hymnen zurecht abfeierte. Ich hatte ja bezüglich Flammensturm musikalisch mehr Pagan-Klischee vermutet und bin wirklich positiv überrascht worden. Großteils tolle Songs, die treiben, grooven und rasen und dazu ein richtig fetter Gitarrensound. Das Publikum hat's gedankt.

Überhaupt war der Sound bei allen Bands spitze. Wuchtig, das volle Brett, dennoch transparent und klar. Mittlerweile hat sich das Escape zur einzigen Location Wiens gemausert, wo man soundtechnisch perfekte Underground-Gigs geliefert bekommt. Die DJ-Party danach hat auch sehr gut gepasst: Viel zu selten wird unten im Escape-Keller klassischer Metal aufgelegt, deshalb gab's trotz weniger Leute Super-Stimmung!

Schade nur, dass der Laden nicht wirklich voll war, aber bei der „95 Years Of Destruction“-Sauce werden hoffentlich mehr Leute zur Party geladen!
User Bewertung dieser Show:

Durchschnittliche Bewertung der Metalfanatics-Leser bisher: 4.2/10
(25 votes)