Metalfanatics - Interview
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Bömbers: Motörhead und das Rock'n Roll-Feeling

Tore ist der Gitarrist von den Bömbers aus Bergen in Norwegen, die zum zweiten Mal einen kleinen Club-Gig in Wien absolvierten. Zusammen mit Abbath (Immortal) und Pez huldigen die 3 Motörhead-Fans schon seit Jahren ihren Faves und klingen dabei ziemlich authentisch. Das Motörhead-Feeling kommt gut rüber und die Songs werden noch einen Tacken härter gespielt. Tore selbst ist einigen vielleicht auch bekannt von Rock Hard-Interviews, wo er sich zu seiner angeblich drittgrößten Motörhead-Sammlung äußern durfte. Zusätzlich ist er Hauptsongwriter der norwegischen Thrashband The Battalion, die in den letzten beiden Jahren 2 starke Alben veröffentlicht hat.


erstellt: 2012-01-29
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Metalfanatics: Hi, Tore, wie lange gibt’s denn jetzt die Bömbers?

Tore: Seid Frühjahr 1996. Wir sind seit Kindesalter Motörhead-Fans. Bei einer Party in der Wohnung von Drummer Pez beschlossen wir, also ich, Abbath und Pez, eine Motörhead-Tribute-Band zu gründen. Das ist jetzt schon über 15 Jahre her. (lacht)

Metalfanatics: War das immer nur als Liveband geplant? Es gibt zwar eine EP...

Tore: Die EP aus dem Jahre 2004 ist lange ausverkauft und mittlerweile ein Sammlerstück. Wir werden 2012 aber eine Single veröffentlichen. Motörhead ist die Inspiration für alles. Abbath's Band Immortal ist natürlich mehr Black Metal-orientiert. Meine Band The Battalion ist zwar Thrash, aber auch mit Motörhead-Einflüssen.

Metalfanatics: Ist es wichtig, Motörhead-Songs nicht zu sehr verändern oder gebt ihr den Songs doch einen ganz speziellen Touch?

Tore: Wir geben den Songs schon unsere eigene Note. Motörhead sind ja selbst völlig unterschiedlich, wenn man die Motörhead der 70er und die momentanen Motörhead vergleicht. Der Spirit ist zwar der gleiche, aber die Phase mit Fast Eddie Clark klingt natürlich völlig anders. Wir selbst klingen eher wie die Erstphase der Band.

Metalfanatics: Spielt ihr auch neue Motörhead-Songs?

Tore: Der neueste Song, den wir im Set haben ist „In the Name of Tragedy“ vom Inferno-Album aus dem Jahre 2004. Ansonsten spielen wir nur Songs aus den 70ern und 80ern.

Metalfanatics: Gibt’s eigentlich große Unterschiede im Gitarrenspiel bezüglich dieser Phasen?

Tore: Ich selbst bin viel mehr inspiriert von Fast Eddie Clark als von Phil Campbell. Beide haben natürlich einen anderen Stil. Wir selbst spielen alle Motörhead-Songs ein wenig schneller.

Metalfanatics: Kennt Lemmy eure Band?

Tore: Ja klar. Sie haben uns auch einmal besucht, als sie mit Motörhead in Bergen gespielt haben. Wir spielten in einem kleinen Club und sie kamen alle und schauten sich unsere Show an, die sehr spät startete.

Metalfanatics: Mochte er das Konzert?

Tore: Ja sicher. Er hat sogar ein Intro für uns gemacht, welches wir aber nur in Norwegen verwenden. Er sprach: „Hallo Norweger, ihr seht die Bömbers usw.“ Er hat ja auch unsere EP und mittlerweile habe ich ihn schon mehrmals getroffen.

Metalfanatics: Wie schaut's denn Drum-technisch aus? Welche Phase bevorzugst du da? Philty Animal oder Mickey Dee?

Tore: Philty Animal. Mickey Dee ist zwar technisch natürlich viel besser, aber fast schon zu technisch. Philty spielt sehr einfach, aber sein Spiel ist einzigartig. Man kann sehr schwer lernen, so zu spielen, man muss es einfach fühlen, um es hinzubekommen.

Metalfanatics: Macht ihr eigentlich nur Special-Shows?

Tore: Wir spielen zwischen 5 und 15 Shows pro Jahr. Klar sind das dann spezielle Auftritte und in 15 Jahren ist einiges zusammengekommen.

Metalfanatics: Mal eine kurze Frage zu deiner Band „The Battalion“. Erzähl mal, wann hast du die Band gestartet?

Tore: Uns gibt’s seit 2006. Wir haben mittlerweile die EP „The Batallion“ (2007) und die beiden Alben „Stronghold Of Men“ (2008) und „Head Up High“ (2010) veröffentlicht. Wir, das sind ich, Lust (ex-Grimfist), Colt (ex-Borknagar), Morden (ex-Hellheim, ex-Taake). Wir spielen klassische Thrash-Riffs und sind natürlich auch Motörhead-inspiriert. Wir bringen übrigens Ende 2012 unser nächstes Album raus.

Metalfanatics: Ihr geht image-technisch aber nicht in die Black/Thrash-Ecke?

Tore: Nein. Wir gehen eher in Richtung Sodom zu Zeiten ihres Persecution Mania-Albums oder auch in Richtung alte Destruction oder Kreator.

Metalfanatics: Wie steht es generell eigentlich ums Image, was Black Metal in Norwegen betrifft. Ist das alles so ernst, wie viele Fans weltweit glauben?

Tore: Das lustige ist, wenn du einen norwegischen Black Metal-Musiker fragst, was er gerne hört, wird er dir antworten: Klassischen Hardrock, Judas Priest, Black Sabbath, Kiss, Thin Lizzy oder Twisted Sister, aber sie spielen natürlich Black Metal.

Metalfanatics: Aber die Fans lieben dieses Image...

Tore: Aber es scheint so, dass die Szene in Norwegen ja nicht größer ist als anderswo, nur die wichtigen Bands kommen eben aus Norwegen.

Metalfanatics: Du hast ja auch mal in deiner Heimatstadt Bergen beim Hole In The Sky-Festival gespielt, welche Unterschiede gibt’s zum Inferno-Festival in Oslo?

Tore: Sogar mit beiden Bands beim Hole In The Sky. Das Hole In The Sky-Festival ist sehr wichtig für Norwegen,Bergen und die Metal-Community. Leider war's ja 2011 zum letzten Mal. Das Festival selbst war mehr „down to earth“ als das Inferno und es sind dort die wirklichen Fans hingegangen, es war auch immer ausverkauft. Ich bin froh, dass ich alle 12 mal dort war.

Metalfanatics: Wie wichtig ist für dich das Image im Metal? Gerade das Hole In The Sky ist ja hier ein sehr authentisches Festival.

Tore: Das Image, wie du es nennst, also der Style, mit dem du dich „On Stage“ ausdrückst, soll natürlich die Musik reflektieren in einer bestimmten Art.

Metalfanatics: Gerade im Metalbereich musizieren momentan viele, die eigentlich nicht diesem Style entsprechen und einen Metal-Background haben...

Tore: Nenn solche Bands nicht Metal, benenne sie einfach anders. Dann passt das. Ich habe aber nicht den intellektuellen Zugang zu Rock'n Roll und mag es nicht, wenn zuviel hineininterpretiert wird, dadurch wird das Rock'n Roll-Feeling zerstört. Echter Rock'n Roll soll immer rebellisch bleiben und mich wegblasen, wenn ich auf ein Konzert gehe. Mir ist es auch wichtiger, dass der Gitarrist das richtige Feeling hat. Wenn er das Feeling gut rüberbringt, sind mir auch Spielfehler und Technik egal.

Metalfanatics: Wie ist es eigentlich, mit Abbath zusammenzuspielen, der viel berühmter ist als ihr und womöglich viel mehr Kohle besitzt?

Tore: Wir kennen uns ja alle seit wir 8 Jahre alt waren und sind zusammen in die Schule gegangen. Für mich ist er einer der besten Freunde, nein, er ist mein bester Freund. Für mich ist er kein Superstar, sondern nur ein Freund. Das ist bei uns überhaupt kein Thema. Klar ist er mit Immortal sehr erfolgreich.

Metalfanatics: Immortal spielen ja nur Festivals, kommen aber nächstes Jahr wohl endlich auf eine richtige Club-Tour...

Tore: Ja, bei der nächsten Scheibe wird’s wohl eine Club-Tour geben. Eine Tour ist aber immer schwierig zu planen. Da hat man so viele Parameter zu bedenken. Wenn du in der Mitte einer Woche in einer ostdeutschen Kleinstadt auftrittst, kommen auch nur 180 Leute. Trittst du aber an einem Samstag in Hamburg auf, hast du womöglich über 2000 Fans. Alles muss man bedenken, auch, wie der Ticketpreis angelegt ist usw.

Metalfanatics: Euer Bömbers-Konzert in Wien ist Samstags. Samstag Abend in Wien, ein kleiner Club...

Tore: Ja, ich glaube 300 Leute haben Platz. Letztes Jahr wurden 280 Tickets verkauft.

Metalfanatics: Wie war's rückblickend?

Tore: Wir hatten viele Probleme beim Soundcheck, weil das Equipment nicht gut war. 10 Minuten vorm Gig bekamen wir einen Amplifier und alles war wieder gut. Der Gig war dann super.

Metalfanatics: Hast du dir eigentlich auch Wien angeschaut?

Tore: Diesmal leider nicht. Aber letztes Jahr im Oktober. Meine Freundin war auch dabei. Wir waren 3 Tage in Wien und hatten auch mehr Zeit. Eine sehr schöne Stadt, aber ich kannte ja österreichische Städte schon, weil ich schon in Salzburg und Graz war. In Graz war ich in den 90ern als Merchandiser für Immortal mit.

Metalfanatics: Danke dir fürs Interview...

www.myspace.com/battalionofficial

www.bombers.no
Das Interview führte: Aamon

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