Festivalbericht --- Doom Shall Rise V

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Verfasser:Willi und Jürgen
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2007-06-01

Nebst der wackeren Wiederauferstehung der Walpurgis Metal Days im bayrischen Hauzenberg eröffnet auch das Doom Shall Rise im wunderschönen Baden-Württemberg die Festivalsaison des heurigen Jahres, und dies bereits zum 5. Male. Anlass genug für vier wackere Doomfreaks aus Österreich anzureisen und den honorigen Veranstaltern mittels Sachertorte zu gratulieren. Die Belegschaft dankte es uns.

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich beim Doom Shall Rise um ein ganz spezielles Metalding mit Musik der langsameren Gangart, Fans mit spezifischem Einschlag und einer außergewöhnlichen Lokation: der Chapel / Krypta, eine ehemalige amerikanische Militärkapelle, die mit verschiedensten musikalischen Projekten das Jahr über bespielt wird. Dies versprach also schon mal einiges an Atmosphäre.

Bemerkenswert in puncto Fans war, dass man sich hier – anders als bei den meisten anderen Konzerten und Festivals – ausnahmslos für jede Band interessierte und somit jede Band die Chance hatte, sich vor größerem Publikum zu präsentieren. Die Kirche war also von Beginn an gut besucht und die meisten Festivalbesucher waren zeitgerecht angereist.
Angenehm fielen auch die Getränkepreise aus. So kostete etwa das Seiterl Bier aus der Flasche (es standen 3 Sorten zur Auswahl) € 2,-, wobei auch Trinkgeld nicht unbedingt erwartet wurde. Schwachpunkt waren jedoch die Kühlressourcen, denn nachdem die ersten kühlen Biere aufgebraucht waren, bekam man nur mehr zu kurz Gekühltes in die Hand.
Auch erwähnenswert ist, dass es sich hierbei nicht um ein übliches Campingfestival handelt, es gab also keine Campingflächen, weswegen die meisten Besucher in diversen Hotels und Unterkünften Unterschlupf fanden, einzelne aber auch in Campingwägen den Doom überdauerten. Unsereins suchte Herberg beim Schlächter zu Hohenstaufen und seinen Kampfhunden, einem Metzgerei/Hotelbetrieb mit Namen „zum goldenen Ochsen“ am Fuße des historisch bedeutsamen Hügels Hohenstaufen, wo seinerzeit das Geschlecht der Staufer wütete und auch Kaiser Barbarossa weilte. Die erfolgreiche Bezwingung der Anhöhe unsererseits ist jedoch eine andere Geschichte...

All der wunderschönen Historie zum trotz nun zum Wesentlichen: den Bands.

Eröffnet wurde der Reigen heuer von den Cottbusern LOW MAN`S TUNE. Hatten diese noch voriges Jahr krankheitsbedingt absagen müssen, waren sie heuer doch alle komplett versammelt, um mit ihren sludgig angehauchten Doom die Meute vor der Bühne warm zu spielen. Leider gelang das nicht gar so recht. Die Saitenfraktion poste sich zwar den Arsch ab, aber Sänger Holger blieb ziemlich lahm. Auch einige auftretende Soundprobleme machten dem Vierer zu schaffen.

Danach wurde es finster! Und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen weil das finnisch/amerikanisch/deutsche Gespann MY SHAMEFUL dunkelsten, hasserfüllten Funeral Doom vom Feinsten zelebrierten, zum anderen, weil mitten im ersten Lied die P.A. streikte, und so erst gar nix mehr ging. Aber ein echter Doomer lässt sich nun mal nicht hetzen, und so dauerte es geschlagene 20 Minuten bis MY SHAMEFUL ihren Set erneut starten konnten. Selbstredend, dass diese Verzögerung den ganzen Abend nicht mehr aufgeholt werden konnte, obwohl der sympathische Vierer sogar um ein Lied kürzte. Den Fans indes war es egal, die warteten brav den Neustart ab, und feierte die Band ordentlich ab. Cooler Gig!

Als nächstes enterten die unbändigen MAEL MORDHA die Bühne, optisch sicher der ausgefallenste Act des Festivals. Die wildgewordenen Iren mit ihren keltischen Warpaints, die bereits am Vorabend in der Innenstadt gewütet hatten, schmetterten uns energischen gälischen Folk-Doom der Sonderklasse entgegen, bei besonders gutem Sound, gespickt mit genialen Gitarrenriffs und einer Wahnsinnsstimme. Definitiv ein Highlight der Veranstaltung.

Sollte sich jemals einer die Frage gestellt haben, ob es True Metaller unter den Doomern gibt, so wissen die Schweden von MEMORY GARDEN diese musikalisch mit „ja“ zu beantworten. Klassischer kann man zumindest den Gesang kaum anlegen. Ansonsten treffen hier melancholische Melodien auf rockig-doomige Gitarrenriffs. Im Gesamten eine sehr engagierte Vorstellung der Truppe, welche ja gerade mit ihrem aktuellen Longplayer „Carnage Carnival“ auf Achse ist, was sich auch in einer mit viel Humor überspielten Schlagzeugpanne widerspiegelte („broke some snare“).

Danach kamen die drogendurchtränkten EARTHRIDE aus dem doomschwangeren Maryland (Unorthodox, The Hidden Hand, Spirit Caravan, Pentagram) auf die Stage und stellten das Gegenstatement zu den am Vortag in der Arena Wien spielenden Melvins ("...please don´t smoke at the show....the Melvins say: thank you!") auf: „smoke as much as you can!“ und „if anyone has got some weed, give it to me“. Musikalisch hat das ganze schon schwer gegroovt und auch die Einflüsse von Sabbath, Motörhead und Spirit Caravan – bei letzteren wirkte der Fronter am Bass – waren nicht von der Hand zu weisen.

Dann endlich war es soweit. FORSAKEN aus Malta enterten die Bühne und doomrockten nicht nur den Verfasser dieser Zeilen ins endgültige Delirium. Los gings mit einem Doppelschlag vom aktuellem Album. “Dominaeon” und “Daylight Dies” wurden in die willige Menge gewuchtet, bevor sich die Band ihrer Vergangenheit erinnerte. Und so wurden auch noch unter anderem “Wretched Of The Earth”, “Kindred Veil” und die Jahrhunderthymne “The Healer” zum Besten gegeben. Dann war´s aber erst mal Zeit zu feiern: Sänger Leo Stivala feierte seinen 35. Geburtstag und wurde natürlich mit einem heftigen “happy birthday to you” bedacht. Dieser dankte es der Crowd nicht nur mit einem tränenerstickten “this is the happiest birthday in my whole fucking life”, sondern auch mit einem sensationellem Cover von Black Sabbath! Diese Band gab an diesem Abend echt alles, und man hatte das Gefühl, das sie gar nicht mehr von der Bühne runterwollte. Von mir aus hätten sie auch nicht müssen......

Am nächsten, abermals vom Wetter her außerordentlich begünstigten Tag, nach ausgiebigem Frühstück in der Metzgerei, ging es ans Sightseeing, und wenn schon die Stadt Göppingen nicht allzu viel hergibt, war es zumindest nett, den einen oder anderen Festivalbesucher in der Stadt zu treffen, wie auch den Sänger von den Energiebündeln Stereochrist, welcher uns aus seinem Hotelzimmer zuwinkte.

Das Festival startete am Samstag bereits um 15 Uhr und wieder waren die meisten Besucher zeitgerecht anwesend, wenn man auch dem einen oder anderen noch den Vorabend anmerkte.

Da kamen THE LAST SUPPER aus Deutschland gerade recht um den doch schon zahlreich erschienenen Doomjüngern mit ihrem klassischen, keyboard-unterlegten Sound die Müdigkeit aus den Knochen zu jagen. Und das gelang ihnen sehr gut, wie man anhand der Reaktionen feststellen konnte.

Waren MEMORY GARDEN die True-Fraktion unter den Doomern, so sind CENTURIONS GHOST aus den United Kingdoms die Vertreter des Hardcore. Brachial, alles niederwälzend, mit einer unglaublichen Soundwand versehen, fegten sie über das Publikum hinweg, und nicht wenige Kinnladen waren gänzlich nach unten geklappt. Und trotz aller Härte war doch immer noch genug Zeit für Gitarristin Fed um klassische Soli im Stil von Black Sabbath einzubauen. Gebärdete sich Frontkoloss Mark auf der Bühne wie eine gemeingefährliche Bulldogge auf Speed, so mutierte der Kleiderschrank abseits der Bühne zu einem liebenswerten, fast schon schüchternen Burschen mit Liebe zu Jägermeister.

Die dritte Band des Tages waren die Belgier von SERPENTCULT. Tja nun, während man der Band sicher nicht mangelndes Engagement nachsagen konnte, waren sie doch keine der herausragendsten Formationen der diesjährigen Veranstaltung. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Band erst seit 2006 existiert und auch erst auf eine Veröffentlichung verweisen kann. Dem Publikum war es aber zum Teil nicht zuletzt aufgrund der hübschen Sängerin Michelle egal und feierte den Gig trotzdem ab.

Jetzt war es aber endlich Zeit für die Energiebündeln schlechthin: die ungarischen Stereochrist. Wie bereits zuvor in Wien hatten sie das Publikum voll und ganz im Griff und schickten eine Energieladung nach der anderen durch die Chapel. Bei kaum einer Band macht es soviel Spaß, mitzugehen. Man merkt einfach, dass die Jungs – allen voran Sänger Dávid Makó, der wie immer im klischeebefreiten Hemd auftrat – Freude am Spielen haben, und diese gern anderen zuteil haben lassen. Wie immer wurde auch das beliebte „Bury Me In Smoke“ von Down zelebriert, welches vom Publikum frenetisch aufgegriffen wurde. Einziges Manko des Auftritts war, dass sich ein „überdrehter“ Fan, (bekannt auch als Sherman, seines Zeichens Sänger von EARTHRIDE) den der Sänger bei dieser Nummer auf der Bühne mitsingen ließ, dermaßen reinsteigerte, dass er plötzlich in einem Akt geistiger Umnachtung mit den Füßen voran von der Bühne ins Leere sprang und dann schmerzverzerrt liegen blieb. Dies störte natürlich etwas die Performance der Band, da man sich entsprechend um ihn Sorgen machte. Menschliche Größe bewiesen die Ungarn auch, als sie sich nicht im anscheinend nicht enden wollenden Applaus suhlten, sondern sich umgehend nach dem letzten Takt um den zwischenzeitlich in den Backstageraum gebrachten Verletzen kümmerten. Dieser wurde anschließend von den Veranstaltern ins nächste Krankenhaus gebracht, was man ja auch nicht auf jedem Festival erlebt. Beide Daumen hoch!

Nach kurzer Umbauphase war dann der österreichische Beitrag zum Festival an der Reihe und Mucho, Mani und Co. von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US gingen ans Werk, nachdem es vorher etwas bange Momente um den nicht auffindbaren Bassisten Barth gegeben hatte, welcher ja bekanntlich von den Schwarzwurzlern Belphegor zur Band übergelaufen war. Unsereins wartete gespannt, wie die Salzburger in der Fremde aufgenommen werden würden. Was dann folgte war eigentlich unglaublich. Andreas Vitasek meinte einst in einem seiner Kabarettprogramme, der Wahnsinn habe Methode. Seit jenem Gig von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US meine ich jedoch, der Wahnsinn kommt aus Salzburg. Von der ersten bis zur letzten Minute stand das Publikum mit offenem Mund da und konnte nicht fassen, was für Klangwelten uns diese fantastische Formation entgegenschleuderte. Genial, fett, satter Sound, schräge Texte. Hier passte einfach alles.

Was man bei FAITH nicht gerade behaupten kann. Die Altherren-Riege, stilecht mit Schwedenflagge als Backdrop ausgestattet, spielte Folk-Doom. An und für sich ja nicht schlecht, aber die Mannschaft stand doch eher gelangweilt auf der Bühne rum, so dass der Funke nicht zum Überspringen kam. Schade eigentlich, denn FAITH haben doch einige sehr starke Songs in der Hinterhand.

Anders wiederum bei DREAMING. Der sehr relaxed klingende Doomrock, angereichert mit choralartigem Gesang der Saitenfraktion kommt bei den Zuschauern mehr als nur gut an, so das mächtige Zugabe-Rufe die Band von der Bühne begleiten. Seltsam, das sie trotz allem keine mehr spielen durften.

OFFICIUM TRISTE aus Rotterdoom äh –damm waren nun an der Reihe mit einer eher melancholischen Vorstellung. Hier war nichts davon zu merken, dass Holländer an sich eher als lustige Zeitgenossen betrachtet werden. Beim Gig selbst machten sie mit ihrer Version eines Death/Doom absolut nichts falsch, kamen aber etwas zu bierernst für die um diese Uhrzeit bereits ausgelassene Stimmung rüber, so wandte auch ich mich schließlich den gut sortierten Verkaufsständen zu.

MIRROR OF DECEPTION lassen dann im Anschluss nichts anbrennen. Die Lokalmadatoren, die Band stammt ja aus Stuttgart, können sich wie gewohnt auf ihre Supporter verlassen. Und auch in der Chapel wird von den Fans jedes Lied mitgesungen. Aber auch die Band selbst hat heute anscheinend einen guten Tag erwischt, und geht ab wie die Feuerwehr. Mit dem starken Marterial der aktuellen CD “Shards” aber auch kein Wunder.

Den Abschluss des Abends bildete die legendäre Altherrencombo THE GATES OF SLUMBER aus den USA. Sehr traditioneller Doom, sehr behäbig und absolut professionell vorgetragen. Für viele einer der Highlights des Tages, für mich der 16. Headliner des Festivals. Aufgrund des fortgeschrittenen Abends war bei mir jedoch die Motivation schon ziemlich im Keller und so begab ich mich raus zum Lagerfeuer.

Was gibt es also noch zu sagen, außer noch auf den generell extrem gut abgemischten Sound des Festivals hinzuweisen? Nächstes Jahr definitiv wieder, denn wie heißt es so schön: nach dem DSR ist vor dem DSR!